Kunst & Selbsterfahrung

Ausstellung Kunst und Natur - Zentrum für Agri-Kultur und Landschaft

Vardan Frigo-Holterman

 

Die Naturmalerei

 

Viele große Maler waren und sind angezogen von dieser Art der Malerei. Die verblühenden Sonnenblumen des Vincent van Gogh, die chinesischen Dahlien von Valasse Ting, die blumenübersäten Bergwiesen von Friedrich Hechelmann sind sehr verschiedene Ausdrucksformen, die uns in Kontakt bringen mit einer magischen, „pyschodelischen“, verträumten und mystischen Natur. Was ist das Wesen dieses Zaubers? Worin besteht die Einzigartigkeit beim Malen der Natur - einer Natur, die ja für alle Betrachter „ganz objektiv“ stets dieselbe zu sein scheint? Früher oder später haben wir alle versucht, sie abzubilden, ihre Perfektion nachzuahmen - meist sind wir unbefriedigt geblieben, haben uns dabei unfähig gefühlt. Das ist der Grund, weshalb wir sie so sehr bewundern - jene Maler, die „zu malen verstehen“.

 

Im Menschen ist diese Sehnsucht schon immer lebendig gewesen: Seine innere Natur in Einklang mit der äußeren zu bringen, sich in Einklang mit dem Ganzen zu fühlen - und genau das kann geschehen, wenn man malt. Wie finde ich etwas über meine innere Natur heraus, wie schaffe ich es, zu wissen, wer ich bin? Wir alle, die wir heute erwachsen sind, erinnern uns, daß wir unsere Spontaneität, unsere Originalität verloren haben, über die wir noch verfügen konnten, als wir Kinder waren. Damals war es leicht: Wenn es hieß „Male einen Baum!“, taten wir das, ohne uns mit vielen Fragen herumzuquälen. Und wir waren zufrieden, denn die Magie des Baumes lebte in unserer Zeichnung. Natürlich nur, bis einige Erwachsene mit ihrer törichten Kritik alles kaputt gemacht haben.

 

Damals lebten wir mitten in der Natur, mit einer großen Empfindsamkeit und einem Gefühl für die Ganzheit, das wir seither wahrscheinlich nicht wiedergefunden haben.

Aber wir haben Erinnerungen. Ich glaube, daß in uns allen die Sehnsucht noch vorhanden ist, die Natur in dieser magischen Weise wiederzuerleben und sie nach jener Art zu malen. Wir Erwachsenen sind aber zu kompliziert und es ist für uns schwierig, uns dieser Art der Malerei - mit offenen, staunenden Augen - wieder anzunähern. Mit Gelassenheit und Offenheit, ohne hier und dort angelesenes Bildungswissen und vorgefaßte Werturteile.

 

Zu diesem Zweck versuchen wir, Augen und Geist zu entspannen, wobei uns einige Techniken hilfreich sein können. Hier also die erste Arbeit, die wir machen werden: Wir entspannen die Augen nach einer Technik, die ‚Gourishankar‘ heißt, wie eines der höchsten Gebirge der Erde.

 

Und jetzt betrachten wir mit diesen entspannten Augen unser Blatt und bereiten es vor, damit es aufnehmen kann, was wir ihm geben wollen. Wir bereiten das Blatt Papier vor, indem wir es berühren, streicheln, an ihm riechen, es hin- und herbewegen mit dieser Musik.

 

Wir befestigen das Papier mit Klebeband auf einer Holzunterlage, wobei wir darauf achten, daß unter dem Papier keine Luftblasen entstehen. Wir besprühen es mit Wasser, nehmen die Farben zur Hand, lassen uns von unserer spontanen Zustimmung zu ihnen führen ohne uns Gedanken zu machen oder gar Urteile zu bilden über die Bedeutung dieser Farben: Wir werfen sie auf das Papier und lassen sie sich miteinander mischen. Wir unterstützen das, indem wir das Blatt bewegen, bestimmte Stellen mit einem Schwamm trocknen und andere mit mehr Wasser benetzten. Wir benützen beide Hände, auch die linke, die Finger, pusten über das Blatt und gebrauchen diverses Handwerkszeug. Wenn wir der Musik folgen, kann es sein, daß sich unser Körper bewegen will. Die Hände und Füße – laßt sie tun, was sie wollen. Laßt die Gedanken fahren, unbedingt etwas „Schönes“ malen zu wollen. Je mehr eure wahre Natur – so oft erstickt, negiert und nicht geachtet – nach draußen kommen wird, desto mehr wird sie eure Malerei einzigartig, unvergleichbar mit allem anderen, und ganz besonders werden lassen. Jetzt ist das Blatt der Spiegel eures Selbst beziehungsweise dessen, was ihr in diesem Moment sehen und ausdrücken wollt. Es ist ein langer Weg, eine Suche nach sich selbst, und kann das ganze Leben dauern.

Die Seele der Blumen

Projekte 2016

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Es ist Gott, der durch die Hand des Menschen Seine Pläne in der Natur entwerfen und ausführen lässt. Hazrat Inayat Khan. Zentrum Agrikultur