Die Natur - das sind wir

Mensch und Erde

Wege zu einem inneren Klimawandel

Symposium Bonn, 13.05.2010 der Stiftung Rosenkreuz

 

Vortrag von Firos Holterman ten Hove

Die Natur - das sind wir

Die Einladung, zu dieser Veranstaltung eine Sichtweise aus dem Sufismus beitragen zu dürfen, hat mich sehr gefreut. Ich fühle mich doppelt geehrt, zum einen, weil der Sufismus als ernst zu nehmende spirituelle Größe Anerkennung findet, zum anderen, weil meine Person als Vertreter dieser Richtung ausgewählt wurde.

 

Das Thema ”Mensch und Erde – Wege zu einem inneren Klimawandel” hat zwei Teile. Auf der einen Seite benötigen wir ein neues Verständnis, wie Mensch und Erde zueinander in Beziehung stehen. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, wie wir mit den Veränderungen auf der Erde umzugehen haben. Verstehen und Handeln sind die zwei Pole, zwischen welchen sich unser Leben abspielt.

 

Mein persönlicher Zugang

 

Es gibt keine feststehende Antwort auf der Frage, wie Sufis die Beziehung zwischen Mensch und Erde sehen. Seit 2006 bin ich dabei, aus den gesammelten Werken des Sufi-Meisters Hazrat Inayat Khan die Ansätze zu diesem Thema zu sammeln. Ein Buch über das Wesen der Natur und eines über die Seele der Steine sind bislang daraus entstanden. Das nächste Buch wird vom Wesen der Pflanzen handeln. Ich gebe darin mein persönliches Verstehen wieder, keine offizielle Lehrmeinung. Eine solche wäre in der vielfältigen Welt der Sufis ohnehin nicht zu erwarten. Geistige Freiheit sehen wir als höchstes Gut.

 

Eine Antwort, wie Sufis mit den heutigen globalen Veränderungen umgehen, ist noch schwieriger zu geben. Von mir selbst kann ich sagen, dass die globale Wirtschaftskrise mich beruflich sehr getroffen hat. Zunächst brachen meine Aufträge als Managementtrainer weg. Dann musste mein Arbeitgeber die Niederlassung schließen, in der ich eine Führungsaufgabe übernommen hatte. Wahrscheinlich ist es einigen von Ihnen in den letzten Jahren nicht viel anders ergangen. Wir sind heftigen Umbrüchen ausgesetzt, die unser Leben durcheinander wirbeln.

 

Bei mir haben diese Ereignisse Konsequenzen gehabt, wie zum Beispiel:

* Ich wurde gezwungen, mich beruflich neu zu orientieren und dabei genau zu  erforschen,

  was meine Stärken sind und wo ich etwas leisten kann.

* In meiner Familie müssen wir sorgfältiger haushalten. Dadurch entstehen neue Freiräume.

* Ich habe die Aufgabe übernommen, eine artenreiche Feuchtwiese zu pflegen, die

  für die Bauern nicht länger wirtschaftlich war und deshalb verfilzte.

* Ich habe begonnen, mich eingehend mit Kräutern zu befassen.

* Ich habe mich noch intensiver in meine spirituellen Wurzeln vertieft.

 

Im Alter von 19 Jahren hatte ich auf dem Flohmarkt ein Heft gekauft wegen des Fotos des Autors, das mich zutiefst beeindruckte. Der Text war allerdings unverständlich für mich und so wanderte das Heftchen ins Regal.

 

Als ich 25 Jahre alt war, begegnete ich dem Sufi-Meister Pir Vilayat Inayat Khan in einem Retreat-Camp hoch oben in den französischen Alpen. Ich möchte sagen, er war Mann voller Licht. Einige Jahre später ließ ich mich von ihm einweihen. Es stellte sich heraus, dass das genannte Foto eine Ablichtung seines Vaters war.

Hazrat Inayat Khan

Hazrat Inayat Khan

 

Wer war der Sufi-Meister Hazrat Inayat Khan?

Geboren 1882 in Baroda in einer Familie berühmter indischer Musiker, kam er nach einer gefeierten Laufbahn als Vina-Spieler und Sänger 1910 in den Westen und gründete in London den Internationalen Sufi-Orden.

Aus welchem Grund tat er dies?

Sein Murshid (Sufi-Lehrer) hatte ihm die Aufgabe erteilt, Ost und West mit seiner Musik zu vereinen.

Bis zu seinem Ableben 1927 führte er ein kometenhaftes Dasein, das von Reisen, Konzerten und Vorträgen in Europa und den USA erfüllt war.

 

In seiner Lehre, die er ”die Botschaft” nannte, setzte er sich mit der geistigen Suche der Menschheit unserer Zeit auseinander. Einige seiner Kerngedanken sind:

 

* ”Es gibt nur einen Gott: der/die Ewige, einzig Seiende.”

  In dem von Hazrat Inayat Khan initiierten universellen Gottesdienst werden Kerzen für alle Weltreligionen entzündet und es wird aus allen heiligen Schriften vorgelesen.

  Jeder Mensch hat die Aufgabe, sein höchstes Ideal, Gott, selbst zu definieren und in seinem Leben zu   verwirklichen.

  Die Religion eines anderen, sei es der persönliche Glaube  eines Freundes, sei es die Religion eines Nachbarlandes  oder eines Erdteils, ist genauso heilig wie die eigene.

 

* ”Es gibt nur ein heiliges Buch: das heilige Buch der Natur.” In der heutigen Zeit sollen wir keine äußeren spirituellen Autoritäten mehr suchen, die uns sagen,

  was gut und was schlecht ist. Jeder Mensch ist dazu aufgefordert, in seiner eigenen und der ihn umgebenden Natur selbst nach Wahrheit zu forschen und aus eigener Kraft seine Natürlichkeit und Religiosität wieder herzustellen.

 

* ”Es gibt nur ein Gesetz: das Gesetz der Wechselseitigkeit.” Wir würden dieses Prinzip heute Ökologie nennen. Geben und Nehmen zwischen Mensch und Umwelt müssen in Harmonie sein. Behandle dein Gegenüber so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

 

* ”Es gibt nur eine Moral: die Liebe, die aus Altruismus entspringt und in guten Taten blüht.” Die Sufis gehen davon aus, dass die sogenannte Selbstverleugnung eine Haltung ist, die in  der menschlichen Entwicklung zwangsläufig kommen wird, weil sie uns anzieht und uns gut tut: ”Liebe, süße Verrücktheit! Du heilst alle unseren Wunden”. (Rumi)

 

* ”Es gibt nur ein Objekt der Verherrlichung: die Schönheit.” Im Hadith (Sammlung der Traditionen, die auf den Propheten zurückgehen) heißt es:  ”Gott ist schön und Er/Sie liebt Schönheit”. Sufis beten die Schönheit an in all ihren körperlichen und geistigen Aspekten und sehen das Gesicht der Geliebten in allem.

 

Mit diesen Punkten stellte Hazrat Inayat Khan ein Programm für unsere Zeit auf und ließ  keinen Zweifel daran, dass es zur Verwirklichung gelangen wird.

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Rundbrief

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Es ist Gott, der durch die Hand des Menschen Seine Pläne in der Natur entwerfen und ausführen lässt. Hazrat Inayat Khan. Zentrum Agrikultur