Die Ur- und Natur-Religionen

- Der praktische Umgang mit dem Geist-Wesen der Welt -

Ur-Religionen

 

Die Ur- und Natur-Religionen sind der natürliche Umgang mit der inneren Wesenhaftigkeit von allem Sein. - In unserer bisherigen Darstellung zu Nama-Sinnbotschaft und Rupa-Gestalt sahen wir bereits: Alle Materie ist die äussere Gestalt dessen, was selber ein Bewusst-Sein, ein lebendiges Wesen ist. Uns steht etwa als ‚Gegenstand’ gegenüber ein Baum oder ein Element – wir sehen die äussere Rupa-Gestalt; sich selber ist sie jedoch ein Bewusst-Sein (Nama), und lediglich von aussen erscheint uns dies als Gegenstand. Alles äusseres Sein ist so auch ein jeweils eigenes Bewusst-Sein, etwa Gold; und alles Bewusst-Sein, etwa ein Gedanke – ist von aussen betrachtet ein ‚Gegenstand’, ein „Elemental“. Und als ihr eigenes Bewusst-Sein stehen diese im Zusammenhang mit allem Bewusst-Sein – und sind so auch von jedem Bewusstsein erreichbar.

   Man spricht in Bezug auf die Ur- und Naturreligionen von einem magischen Zeitalter, und Magie gilt als die Fähigkeit, von innen her auf die materielle Welt Einfluss nehmen zu können. Aber ein Materielles ist dem Magier kein Äusseres, sondern ebenfalls ein Bewusst-Sein – und so von ‚innen’ her erreichbar. Das Reich des Bewusstseins ist ein ungeteiltes Ganzes, und so können wir eintreten in das Bewusst-Sein von allem; lediglich als ‚Gegenstände’ sind diese von einander getrennt. 

 

Eine Erinnerung an das Zeitalter der Magier erfahren wir etwa in dem, was von der alten Bön-Religion in den tibetischen Buddhismus eingeflossen ist - etwa in der Ritual-‚Musik’. - Eine andere Erinnerung an eine Ur-Religion ist das, was wir im Rg-Veda erleben können. Bei dessen Klängen werden wir vielleicht Erfahrungen machen von Ebenen aus einer archaischen Zeit, als wir mit den Geschöpfen ringsum noch verbunden waren – und wir sind es immer noch, aber diese Ebenen sind für uns nicht mehr zugänglich. – Als Beispiel ein Lied aus dem Rg-Veda  (9.1):  

 

„Läutere dich, Soma, im süssesten, berauschendsten Erguss, für Indra zum Tranke ausgepresst! Die Unholde tötend, bei allen Völkern bekannt, hat er sich in seine eisenbehauene Wiege, an seinen Platz aus Holz gesetzt. Sei du der beste Auswegschaffer, der Freigebigste, der Erzfeindetöter; erhalte die Freigebigkeit der Lohnherren! Rinne mit deinem Tranke zur Ladung der grossen Götter, rinne zu Gewinn und Ruhm! Zu dir kommen wir zu demselben Zwecke Tag für Tag. Zu dir, o Saft, gehen unsere Wünsche. Die Tochter des Surya klärt deinen Soma, der durch die Haarseihe abfliesst. Ihn fassen die zehn feinen Frauen im Wettbewerb an, die Schwestern am entscheidenden Tag. Ihn treiben die Unvermählten zur Eile, die dreifach wildwachsende Süssigkeit. Und die Milchkühe versehen dieses Junge mit Milch, den Soma für Indra zum Trunke.“

 

Die Menschen, die in solchen Liedern gelebt haben, lebten auf einer anderen Ebene des Bewusstseins als wir Heutigen - die wir dieser Ebene ent-äussert sind. Sie lebten in dem Bewusst-Sein dessen, was uns heute meist ein Gegenstand ist, etwa unser Leib oder die Natur.

   Was fanden die Menschen damals ?: Sie fanden zunächst die innere Wesensbotschaft – die von aussen betrachtet uns als ‚Welt’ gegenübertritt. Sie fanden das innere Wesen, das Bewusst-Sein dessen, was wir etwa als eine knorrige Eiche sehen; das war ihre Wahrnehmung von der Eiche. Das innere Wesen der Naturwesen erschien ihnen weniger als ein Aussen, sondern als ein Miteinander mit deren Bewusst-Sein.

   Eine weitere Ebene war ihnen das, was wir als Gestaltungskräfte und Naturgesetze finden. Das war ihnen die Welt der Naturwesen und Götter – auch mit ihnen lebten sie in einer gemeinsamen Welt des Bewusst-Seins. Dies können wir vielleicht in dem obigen Lied des RgVeda finden.

   Eine noch weitere Dimension war ihnen bewusst. Sie sahen die gesamte vielfältige, vielgestaltige, viellebendige Natur-Welt als das „Auseinander“ eines All-umfassenden EINEN: EIN „Spirit“-Wesen, das ein Dasein findet als die Welt der Vielen; und auch die vielen Götter sind jeweils nur ein einzelner Aspekt dieses EINEN. Dies ist der „1000köpfige Purusha“. Dies ist der „Anfangs-Purusha“, ER gibt Sich Selber in die Polarität von einerseits der Göttlichen Transzendenz - und andererseits dem Sein der ‚Welt‘. ER birgt so das ‚Sein’ in sich; im Opfer gibt ER Sich hinab als die Vielen und ist das Lebens-Licht aller Wesen. Und ER Selber wird in dieser Welt dann wieder geboren. – In diesem Transzendenten EINEN Purusha-Spirit haben die Alten leben können als der wahren Wirklichkeit ihrer vielgestaltigen Welt. – Wir finden dies wieder im RgVeda:

 

„1000köpfig, 1000äugig, 1000füssig ist Purusha. Purusha allein ist diese ganze Welt, die vergangene und die zukünftige, und er ist Herr über die Unsterblichkeit.

Solches ist seine Grösse, und noch gewaltiger als dies ist Purusha. Ein Viertel von ihm sind alle Geschöpfe, drei Viertel von ihm ist das Unsterbliche im Himmel. Zu drei Vierteln stieg Purusha empor, ein Viertel verjüngte sich hienieden. Von dem aus ging er nach allen Seiten auseinander und erstreckte sich über alles.

Aus ihm ward die Viraj (Göttin des ‚Auseinander‘) geboren, aus der Viraj der Purusha.

Als die Götter mit Purusha als Opfergabe das Opfer vollzogen, als sie den Purusha auseinanderlegten, sein Mund ward zum Brahmanen-Priester, seine Arme zum Rajanya-Krieger, der Mond ist aus seinem Geist entstanden, die Sonne aus seinen Augen. Mit dem Opfer opferten die Götter dem Opfer.“ (10.90)

 

Natur-Meditation

 

Die Ur- und Naturreligionen hatten einen natürlichen Zugang zu dem inneren Bewusst-Sein dessen, was uns als ‚Natur’ gegenübersteht – und zu einem Göttlichen und Transzendenten, das darin Ausdruck und Dasein findet. - Auch heute gibt es viele Menschen, für die der Umgang mit der Natur ihre Religion sein soll. Dabei sollte jedoch der Anspruch bestehen, die Natur nicht nur als äusseren Gegenstand zu sehen und zu bewundern. Das ist sicher ein edles Vorhaben, aber ein tiefer Zugang öffnet sich, wenn es uns gelingt, auf der Ebene des Bewusst-Seins mit der Natur zu kommunizieren: die Natur-Meditation. - Was den Alten ein natürlicher Umgang mit dem Göttlichen der Welt war, müssen wir in der Meditation durch eine Einstellung unseres Bewusstseins reintegrieren. Die Aufgabe ist, uns hineinzuversetzen in das innere Bewusst-Sein dessen, was wir alsäusseres Naturwesen sehen – und ebenso in das Göttliche, das darin Ausdruck findet. Es gilt, das in Gang zu setzen, was wir als Nama und Rupa sahen – etwa die äussere Rupa-Gestalt einer Blume als äussere Form dessen, was sie selber als ein Bewusst-Sein ist, ihre Wesensbotschaft – und in dem Moment eine erste Kommunikation herzustellen.

 

Meditation: Wir stellen eine lebendige Blume vor uns und betrachten sie – nicht nur stummes Anschauen, sondern aktiv fragen wir uns und sie: Was bist du als inneres Bewust-Sein dessen, was ich als deine Gestalt sehe, was ist deine Botschaft, was ist dein Wesen ? Und die Blume wird antworten, still, ein zarter Gedanke in uns. Als unsere eigenen Gedanken – ist es die Blume selber, die in uns sprechen wird.

 

In der Natur-Meditation können wir eine Kommunikation herstellen mit dem Innen eines Naturwesens. - Aber die Natur ist mehr als nur ein Ausdruck ihres eigenen Bewusst-Seins. Es ist ein Höheres, Göttliches und ein Höchstes, Transzendentes, das Ausdruck findet in dem, was die kleine Blume in ihrem Bewusst-Sein ist. Und die Naturmeditation ist das beste Mittel, gerade auch mit diesem Göttlichen und Höchsten in Kommunikation zu kommen, denn nirgendwo sonst als hier in der Welt ereignet sich deren Göttliche und Transzendente Realität:

 

Darshana

 

Das Göttliche findet zunächst Ausdruck in seinen ‚Göttlichen Eigenschaften’, als Schönheit, Stärke, Grösse, etc,. Es sind dies die unendlich vielen „Namen des Vaters“, die Ausdruck finden als ein jeweiliges Naturwesen, etwa als die kleine Blume. – Auch in uns Menschen gelangen die „Göttlichen Eigenschaften“ zu Ausdruck: Grossmut, Anmut, Schönheit etc.

 

Meditation: Wir betrachten das jeweilige Naturwesen – wir suchen und fragen nach seinem Wesen, seiner Wesensbotschaft – und wir wissen: Du bist nicht allein du selber, du bist mehr. Du bist ein Göttliches, das eine Botschaft über Sich Selber gibt als dein Wesen; eine Botschaft, die noch mal ganz anders ist, weil der Gott es ist, der sie über Sich Selber gibt. Und Er sucht, Sich zu offenbaren, und deshalb ist es nicht schwer, Seine Sprache zu verstehen, Seine Grösse, Harmonie, Schönheit, Stärke - LIEBE. - Unsere Liebe ist in dieser Meditation gefordert.

 

(Heil-)Meditation : Das selbe gilt auch, wenn wir einen Menschen anschauen – und uns fragen: Was ist sein innerstes Bewusst-Sein, sein Charakter, was bringt er zum Ausdruck ? Was ist sein Antlitz, so wie er ursprünglich von Gott gedacht war, vor dem ‚Sündenfall’.  – Und mehr: Welche „Eigenschaft Gottes“ kommt zum Ausdruck als dieser Mensch, als sein Wesen ? Was spricht Gott über Sich Selber als dieser Mensch. – In Liebe finden wir dies und geben es in der Heilmeditation unserem Gegenüber – durch unsere Gedanken, oder wir lassen es über unsere Hände fliessen. Dies hat eine Wirkung, die wir selber sofort spüren; in dem Moment, wenn wir in der Lage sind, das Göttliche Bild in dem Gegenüber zu sehen, wird ein Vielfaches plötzlich durch uns strömen.

 

Diese Art der Meditation ist die Meister-Ebene, der “Darshana“ des Meisters, sein „Sehen“, wodurch er sich in Kommunikation begibt mit dem Bewusst-Sein eines Gegenüber – und ihm dann auch eine Botschaft geben kann, die auf lange Sicht eine Änderung möglich macht. – In der gezielten Aktion ist dies das Werken des Meisters, aber als eine noch wenig entwickelte Fähigkeit ist dies uns allen gegeben, und wir alle wirken bereits auf die Weise, wenn wir mit anderen Menschen oder mit der Natur eine Begegnung haben.

 

Der 1000köpfige Purusha  -  Meditation

 

Insoweit ist es ein Göttliches, das Ausdruck findet in den einzelnen Eigenschaften eines Naturwesens oder Menschen. Jedoch noch eine andere Dimension hat darin ihr Leben, und auch sie können wir in unserer Naturmeditation erleben: der 1000köpfige Purusha. Dies ist der vollkommen Unoffenbare GOTT, der jenseits von jeglicher Existenz lebt, und gleichzeitig die wahre Realität von aller Existenz ist. In IHM ist alles Sein und Bewusst-Sein das LICHT Seines Göttlichen Selbst - das als solches Göttliches „vergleichbar ist, als würden 1000 Sonnen aufleuchten“. - Das bedeutet: Alle Natur und auch wir Menschen sind in Wahrheit der Unoffenbare GOTT, „vergleichbar 1000 Sonnen“. Und in einer Art höherer Naturmeditation können wir in der Natur oder einem einzelnen Wesen diesen GOTT erleben, vergleichbar 1000 Sonnen – so wie ein kleiner Funke aus einem Grossen Feuer. - Wir erreichen so eine Dimension, die vollkommen jenseits ist von aller Natur, die wir aber dennoch in unserer Naturmeditation erreichen können, denn nirgendwo anders als in der Natur ist das LEBEN dieses Transzendenten GOTTES. So gilt es, in der Naturmeditation ganz konkret ein einzelnes Wesen oder eine Stimmung zu wandeln und zu erleben als das LICHT des Grossen GOTTES.

 

Meditation: Zunächst sehen wir, wie ER Ausdruck findet als die kleine Blume, als deren Schönheit und Charakter. Die Blume ist jedoch mehr. Der Unoffenbare GOTT - vergleichbar 1000 Sonnen - ist Sein ICH als die Blume. Und uns kann es gelingen, die Blume als Ausdruck Seines ICH zu sehen.

   Hierbei helfen kann uns, dass unser „Ich“ von der selben ‚Essenz’ ist wie das ICH – vergleichbar dem Funken aus dem Grossen Feuer. - Vermittels unseres reinen Wissens ‚Ich’ können wir den unendlich vielfältigen Kosmos sehen als das Aufscheinen des Göttlichen All-ICH, vergleichbar 1000 Sonnen. Aber unsere Liebe müssen wir entzünden: Brenne!

   Wenn wir auf unser Ich - und auf Sein ICH uns richten, dann ist ER nicht mehr Gegen-Stand, sondern wir sehen IHN als ICH; „ER ist ICH – Soham“, sagt das Mantram; wir sehen den Kosmos als 1000 Sonnen Seines ICH, dem „nähern“ wir uns.

   In dem Moment, wo wir aus dem inneren Gespräch mit uns selber ausbrechen, und wirklich auf IHN als ICH uns richten, erwärmt sich unser Herz.

 

Wir finden so zwei verschiedene Arten, die Welt als Ausdruck eines Göttlichen zu sehen:

  1. wir sehen die Welt als Welt – und als solche Ausdruck eines Göttlichen. Wir sehen Schönheit in der Natur, wir sehen schöne Menschen, auch Grossartiges in den Werken der Menschheit, in den Tempeln und Kathedralen, in Musik, Kunst, Literatur, auch Technik etc., und wir sehen dort einzelne Eigenschaften, und als solche sehen wir in ihnen ein Göttliches zu Ausdruck gelangen.
  2. wir sehen die Welt als die Transzendenz GOTTES – vergleichbar 1000 Sonnen; als ‚Welt’ ist sie verschwunden – und wird sichtbar als die „1000 Sonnen GOTTES“.

Diese zwei Dimensionen konnten die Alten erfassen – und auch wir Heutigen können sie erleben: IHN in der Natur und als die Natur. – Hierbei können wir zwei Arten der Realisierung unterscheiden:

 

Inspiration und Intuition

 

Es gibt ein passives, stilles, fragloses Schauen – und von einem Natur-Wesen oder auch von einem Menschen kommt uns dann eine stille, wortlose Sprache. Das ist uns gegeben ohne unser Zutun; allein vorurteilsfrei offen sein, ein geistiges Hören, auch Inspiration genannt. Und wir hören nur das, was wie eine Gnade uns gegeben wird – oder aber es bleibt unser Gegenüber stumm.

   Und vielleicht wartet unser Gegenüber darauf, dass wir aktiv werden, ent-gegen-gehen. Dies wird ein mehr aktives Schauen, Intuition. Hierzu müssen wir selber in Liebe uns auf die Ebene des Höchsten erheben, dorthin, wo wir „eingeladen sind, mit Ihm Mahlzeit zu halten“. Dies ist die Ebene, auf der aus dem Unoffenbaren her sich alles kristallisiert zu manifester Gestalt – so wie unsichtbarer Dunst zu Wasser und Eis. Dort ist die Ebene, von der aus etwa ein Naturwesen kristallisiert zu seiner manifesten Wesensbotschaft – und von wo auch unser Denken und Begriffe sich kristallisieren. Und das Wesen gegenüber kristallisiert in unserem Denken sich dann zum ‚Begriff’. Intuition.

   Es ist ein Weg erforderlich, sich zu erheben auf die Ebene, wo wir „Mahlzeit halten mit Ihm“. Es gilt, in Liebe sich einzustellen auf die Ebene des Göttlichen im eigenen Bewusstsein, auf die geistige Wesens-Botschaft des Göttlichen in uns. Hierbei können ein Mantra oder Assoziationen hilfreich sein.

 

Die Umkehrung von Subjekt und Objekt

 

In unserem Schauen suchen wir das Bewusst-Sein eines Naturwesens – und in ihm den Ausdruck eines Göttlichen. Hierzu müssen wir jedoch unsere Vorstellung ändern, als wer wir der Erkenner und ‚Subjekt’ sind, und wer oder was das Objekt. Wir müssen das Verhältnis von Subjekt und Objekt umkehren, wir müssen unsere Vorstellung, dass wir als ‚Person’ das Subjekt seien, „opfern“:

   Nicht ‚wir’ denken über das Ding dort draussen, sondern dessen Wesen wird zu Bewusst-Sein in unserem Denken. Die an sich wortlose Aussenwelt selber ist es, die zu Wort wird als unser Denken, Fühlen und Handeln. Das verborgene Göttliche der Welt draussen ist es, das in uns zu Bewusst-Sein gelangt – und seine Gestaltung draussen erkennt.

   Wenn wir als ‚Person’ der Erkenner wären, könnten wir drüben „das Ding an sich“ überhaupt nicht in seinem eigenen Sein erkennen. Aber wir erkennen - weil es die Aussenwelt ist, die in uns zu Wort wird.

   Das ist Darshana, „Schauen“, das Wesen gegenüber zu Wort kommen lassen in dem nährenden Grund unseres Bewusstseins. – Es ist dies die „Wandlung“, zu der wir berufen sind, die Wandlung der Welt in das Bewusst-Sein ihres in Wahrheit Göttlichen. In unserem Bewusstsein geschieht dies.

 

Der Ritus

 

Die Kommunikation mit dem Göttlichen der Natur geschieht in den Religionen vorallem im Ritus. Im Ritus begebe ich mich auf die Ebene des Bewusst-Seins der Natur und kommuniziere – und wirke.

   Etwa Feuer: Auf allen Altären brennt Feuer, Kerzen, Weihrauch etc. Aber das nach aussen brennende Feuer ist sich selber ein wesenhaftes Bewusst-Sein, eine Wesensbotschaft, Feuergeist. Und indem ich ein Feuer entzünde, begebe ich mich formal (Rupa) auf die Ebene des Bewusst-Seins als dies Feuer.

   Meist geschieht dies ohne Kenntnis, was da wirklich geschieht, und welche Wirkung wir in Gang setzen, vielleicht sogar unverantwortlich. Aber als Schutz gilt, wenn unsere Motivation rein ist, wird auch das Ergebnis lebensfördernd sein.

 

Copyright Wolfgang Bödefeld

Leseprobe aus „Die Weltreligionen und ihre Meditationen“

Stand 20.2..2011

Es ist Gott, der durch die Hand des Menschen Seine Pläne in der Natur entwerfen und ausführen lässt. Hazrat Inayat Khan. Zentrum Agrikultur